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Freimaurerei
"Ein freier Mann - von gutem Ruf" soll ein Freimaurer sein, will ein Freimaurer sein. Dieser Anspruch an uns scheint zunächst einfach zu sein.
Eine genauere Betrachtung in Form des Versuches einer Begriffsbestimmung des Wortes Freiheit aber wird uns aufzeigen, dass es doch gar nicht so leicht ist, die Freiheit in ihrer vollen Tiefe zu ermessen. Und so wird auch die Freiheit ein Thema unserer Arbeit am rauhen Stein bleiben, solange wir leben.
Was ist denn überhaupt Freiheit?
Bei dieser Frage spielen sich zunächst in unseren Köpfen wahrscheinlich die unterschiedlichsten Versuche ab, Freiheit zu definieren. Der Eine denkt beispielsweise gerade an den nächsten Urlaub, ein Anderer denkt an die Freiheit der Rede, der eigenen Meinung.
Viele Menschen verstehen unter Freiheit auch die Möglichkeit, sich mit den Dingen beschäftigen zu können, die man gern mag, sei es die Politik, die Kunst oder die Möglichkeit, ein Loge zu besuchen.
Alle diese Beispiele sind Beispiele für echte Freiheit, aber sie sind letztendlich nur eine Ausdrucksform der Freiheit, sie sind oft noch nicht Freiheit an sich.
Wir leben in einer sehr freien Gesellschaft, wahrscheinlich hat es nie eine freiere gegeben in der Geschichte der Menschheit. Dennoch stelle ich die Behauptung auf, dass keiner von uns ein wirklich freier Mensch ist. Bis hierhin sage ich sicher nicht viel Neues.
Ich gehe aber soweit, dass ich sage, wir sind oft sehr weit entfernt von dem, was Freiheit wirklich bedeutet. Wir sind sogar Sklaven, Sklaven unserer selbstgeschaffenen Möglichkeiten, die wir fälschlicherweise für Freiheit halten - wenn der neue Wagen Statussymbol wird, der Urlaub zum Pflichtprogramm, mindestens einmal im Jahr, wenn wir es nicht schaffen, vom Fernsehgerät loszukommen oder in der freien Zeit, die uns bleibt, auch noch einkaufen gehen an einem langen Sonntag.
Frei sind wir schon in diesem oberflächlichen Sinne nicht. Viel zu groß ist unser Bedürfnis nach Ablenkung, nach scheinbarer Sicherheit durch die Anhäufung von Geld und Gütern. In dieser Hinsicht predigen wir oft Wasser und trinken Wein. Aber um diese Art von Freiheit soll es mir heute nur in zweiter Linie gehen.
Noch einmal die Frage: Was ist Freiheit?
Die Grundbedingung der Freiheit ist, dass der Mensch sich in seinem Sein als Individuum zunächst als unabhängig erkennt. Vielleicht, je nach Glaubensausrichtung, nur beschränkt durch die Existenz Gottes und den Tod.
Wenn wir uns nun als unabhängig erkennen, bemerken wir irgendwann, dass wir immer zwei Möglichkeiten haben: Wir können grundsätzlich wählen zwischen Gut und Böse.
Wollen wir jetzt nicht einfach einem triebhaften Tun unterliegen, welches uns vielleicht oft zum Bösen hinleitet, werden wir erkennen, dass wahre Freiheit auch bedeutet, dass wir ein Regulativ benötigen, in Form der Vernunft und der Verantwortung. Denn ohne diese Pflicht der Verantwortung ist Freiheit nicht wirklich Freiheit, sondern einfach Willkür. Wer ein freier Mann sein möchte, braucht also auch Selbstdisziplin und Vernunft. Freiheit ist nie möglich ohne das Bewusstsein, auf der anderen Seite eine Verpflichtung zu verspüren. Viele Menschen begreifen das heute überhaupt nicht und verwechseln Freiheit mit Möglichkeit.
Wenn ich die Möglichkeit habe, einen Wald zu roden, habe ich noch lange nicht die Freiheit das zu tun. Denn die Möglichkeit lässt die Folgen außer acht, die Freiheit niemals. Damit wären wir wieder bei dem Symbol unseres Zirkels angelangt, der auch Verantwortung bedeutet. Ich soll mit dem Zirkel jederzeit den Radius meines Handelns abmessen können, die Folgen im voraus bedenken, soweit dies möglich ist. Ich soll also weise überlegen, was ich tue.
Der Mensch bestimmt durch seinen Geist, er ist frei, sich sein eigenes Wesen zu schaffen, sagt der Philosoph Schelling. Freiheit findet also in erster Linie im Inneren des Menschen statt. Kant fügt diesem dann mit seinem Kategorischen Imperativ eine Begrenzung hinzu:
"Handle so, dass die Maxime deines Handelns jederzeit zu einem gültigen Gesetz erhoben werden könnte."
Über diesem Grundsatz des Handelns schwebt ein weiteres großes Wort, dass wir in der Königlichen Kunst schätzen, es ist das Wort "Humanität", und diese ist der Freiheit eng verwandt.
Humanismus bezeichnet im Ideal den Menschen als einen über den Ständen stehenden, allseitig gebildeten Menschen, der in der Erweiterung seiner Kenntnisse seine Bestimmung als lernfähiges Wesen erfüllt. Hieraus ergibt sich automatisch, dass er sich in seiner Freiheit auch seiner Grenzen bewusst ist.
Er, wir, sollen maßvoll und gerecht handeln, sozial in der Gesellschaft und immer wieder an uns selber.
Ein wirklich freier Mann ist auch unabhängig von der jeweiligen Gesetzgebung eines Landes. Ist diese ebenfalls freiheitlich, so wird es keine großen Reibungspunkte geben. Ist die Gesetzgebung aber nicht freiheitlich, so muss er sogar gegen sie kämpfen, wie er gegen alles kämpfen muss, was der Freiheit entgegensteht. Er muss sich dann sogar gegen die Gesetze stellen.
Diese Aufgabe haben auch wir. Schlimm finde ich es persönlich, wenn man mit Menschen über Ungerechtigkeiten spricht und dann irgendwann im Verlauf der Diskussion gesagt wird: "Da kann der Einzelne ja sowieso nichts ändern."
Hieraus spricht die Langeweile, die Bequemlichkeit, der sich viele schon ergeben haben. Wir verschließen die Augen vor dem, was unrecht ist, solange wir zu essen haben, egal was, solange es uns gut geht. Das aber entspricht nicht mehr der Freiheit, auch nicht der Bestimmung des Menschen. Freiheit bedeutet, wie schon gesagt, die Überwindung des Bösen, und Böses kann man auch passiv leisten.
Freiheit muss zu einem inneren Gesetz für uns werden. Wer dann Ausreden gebraucht, macht sich schuldig an sich selber und an seinem Nächsten! Wer wirklich frei handeln möchte, human handeln möchte, gegen Ungerechtigkeit, der wird täglich Möglichkeiten dazu finden und dem wird es zuwider sein, sich Ausreden einfallen zu lassen. Diesem humanen und freien Handeln haben wir Freimaurer uns verschrieben und müssen wohl wieder bei uns selbst anfangen, und unseren Stein behauen, damit wir in die richtige Form kommen und uns wehren gegen Bequemlichkeit und Ignoranz. Nur so kommen wir unserer menschlichen Bestimmung nach.
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